{"id":208,"date":"2019-10-22T13:28:53","date_gmt":"2019-10-22T11:28:53","guid":{"rendered":"http:\/\/roter-aufbau.de\/?p=208"},"modified":"2019-10-22T13:28:53","modified_gmt":"2019-10-22T11:28:53","slug":"die-revolution-in-rojava-verteidigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/roter-aufbau.de\/?p=208","title":{"rendered":"DIE REVOLUTION IN ROJAVA VERTEIDIGEN!"},"content":{"rendered":"\n<p>Unsere bundesweite Struktur hat einen Aufruf zu Rojava geschrieben:<\/p>\n\n\n\n<p>DIE REVOLUTION IN ROJAVA VERTEIDIGEN!<\/p>\n\n\n\n<p>\n Am 9. Oktober hat Erdogan seine Drohungen wahr gemacht. Mit \nLuftangriffen auf die gro\u00dfen St\u00e4dte Rojavas beginnt die sogenannte \nOperation \u201eFriedensquelle\u201c. Ein Name der falscher nicht sein k\u00f6nnte. \nDenn die t\u00fcrkischen Soldaten und ihre dschihadistischen S\u00f6ldner, die \nsich nun PR-gerecht \u201eSyrische Nationalarmee\u201c nennen, \u00fcberfallen nicht \nnur eine der bisher sichersten Regionen Syriens \u2013 sie f\u00fchren einen Krieg\n der kaum barbarischer sein k\u00f6nnte: In den ersten Tagen der Operation \nwurden gezielt zivile Ziele wie Wohngebiete, Krankenh\u00e4user und \nTrinkwasserreservoirs bombardiert, Gefangene wurden hingerichtet und ein\n Konvoi mit JournalistInnen bombardiert. T\u00fcrkisch-islamistische S\u00f6ldner \nfilmten sich dabei, wie sie eine syrische Politikerin aus ihrem Auto \nzerrten und ermordeten. In t\u00fcrkische Medien wurde dies als \u201eerfolgreiche\n Operation\u201c gefeiert. Infolgedessen sind mittlerweile etwa 300.000 \nMenschen auf der Flucht.<\/p>\n\n\n\n<p> Doch die Syrisch-Demokratischen-Kr\u00e4fte \nSDF, angef\u00fchrt von den kurdischen Volks- und \nFrauenverteidigungseinheiten YPG und YPJ konnten die ersten Angriffe \ngr\u00f6\u00dftenteils zur\u00fcckschlagen, an verschiedensten Fronten finden nun \nheftige K\u00e4mpfe statt.<\/p>\n\n\n\n<p> Das Projekt Rojava \u2013 Ein Dorn im Auge der Reaktion<\/p>\n\n\n\n<p>\n Rojava wird nicht zuf\u00e4llig angegriffen. Dem t\u00fcrkischen Staat geht es \ndabei wohl weniger um direkte \u00f6konomische Interessen an diesem Teil \nSyriens \u2013 und nat\u00fcrlich schon gar nicht um die behaupteten \n\u201eSicherheitsinteressen\u201c. Einerseits versucht das t\u00fcrkische Kapital schon\n seit einigen jahren, zur regionalen Gro\u00dfmacht zu werden und den Iran \nund Saudi-Arabien von dieser Rolle zu verdr\u00e4ngen. Anderseits ist der \nt\u00fcrkische \u00dcberfall auch eine Reaktion auf eine andauernde \nwirtschaftliche und innenpolitische Krise in der T\u00fcrkei: Der \nnationalistische Kriegstaumel soll von den Folgen der Krise ablenken, \ndie kemalistische Opposition um die CHP auf Linie bringen und den in den\n letzten Jahren stark gewachsenen Einfluss der kurdischen Bewegung \nzerschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p> Dar\u00fcber hinaus ist Rojava ein zumindest in Ans\u00e4tzen \nantikapitalistisches Projekt, das sich die letzten Jahre kontinuierlich \naufgebaut hat und inzwischen ein Bezugspunkt f\u00fcr viele Revolution\u00e4rInnen\n auf der ganzen Welt ist. In Rojava wurde bewiesen, dass auch heute \nnoch, trotz der scheinbaren \u00dcbermacht des weltumspannenden Kapitalismus,\n bewaffnete Revolutionen gelingen k\u00f6nnen. In Rojava wurde Gegenmacht \nsichtbar und sp\u00fcrbar. Es ist ein Gebiet mitten im stark umk\u00e4mpften Nahen\n Osten entstanden, dass sich den kapitalistischen Interessen aller \nL\u00e4nder weitgehend entzogen hat. Die zeitweiligen B\u00fcndnisse Rojavas mit \nden USA oder auch mit Russland waren stets rein taktisch und zur \nDurchsetzung unmittelbarer Ziele bestimmt. Langfristige Verb\u00fcndete hat \nRojava unter den kapitalistischen Nationen keine. Der unl\u00f6sbare \nWiderspruch zwischen Rojava und diesen Nationen ist der zwischen einer \nPolitik, die an radikal-demokratischen Prinzipien, an \u00d6kologie und \nFrauenbefreiung ausgerichtet ist auf der einen Seite, und einer Politik \nnach den Interessen des Kapitals auf der anderen.<\/p>\n\n\n\n<p> In diesem \nKontext ist es nicht \u00fcberraschend, dass kein einziger Staat Rojava gegen\n die T\u00fcrkei zur Hilfe eilt. Der Abzug der US Truppen ist nat\u00fcrlich \nVerrat \u2013 denn die USA versprachen einen Einmarsch der T\u00fcrkei zu \nverhindern, wenn die SDF ihre befestigten Stellungen in Grenzn\u00e4he \nabbauen w\u00fcrden. Er ist aber auch logisch. Das taktische Ziel, das die \nUSA gemeinsam mit den SDF verfolgt haben, die weitestgehende \nZerschlagung des IS, wurde erreicht. Langfristig sieht die USA bei aller\n Kritik an manchen Ausw\u00fcchsen von Erdogans Politik ihren Verb\u00fcndeten im \nNato-Partner T\u00fcrkei. Alle Drohungen die t\u00fcrkische Wirtschaft zu \n\u201ezerst\u00f6ren\u201c bleiben hei\u00dfe Luft. Aber nicht nur die USA, auch Russland \noder die europ\u00e4ischen Staaten, allen voran Deutschland, unterst\u00fctzen die\n Invasion der T\u00fcrkei.<\/p>\n\n\n\n<p> Deutsche Waffen, deutsches Geld\u2026<\/p>\n\n\n\n<p> Der\n deutsche Innenminister Seehofer war nur zwei Wochen vor der Invasion in\n der T\u00fcrkei und hat Erdogan mehrere Milliarden Euro f\u00fcr eine dritte \nAuflage des Fl\u00fcchtlingsdeals in Aussicht gestellt \u2013 im Kontext der nur \nzwei Wochen sp\u00e4ter beginnenden Invasion Rojavas m\u00fcsste man eigentlich \nvon Kriegskrediten sprechen. Seit diesem Besuch meldet er sich zu dem \nThema \u00fcberhaupt nicht zu Wort. Und w\u00e4hrend die Verteidigungsministerin \nAnnegret-Kramp-Karrenbauer die T\u00fcrkei zu \u201eBesonnenheit\u201c mahnt, setzte \nDeutschland auf EU-Ebene durch, dass es kein Waffenembargo gegen die \nT\u00fcrkei geben soll: Au\u00dfenminister Heiko Maas sorgte daf\u00fcr, dass \nDeutschland weiterhin Waffen an die Kriegsverbrecher in der T\u00fcrkei \nverscherbeln kann. Alle bisher bestellten Auftr\u00e4ge werden ausgef\u00fchrt, \nlediglich bei k\u00fcnftigen Bestellungen sollen keine Waffen mehr geliefert \nwerden, \u201edie in Syrien eingesetzt werden k\u00f6nnen\u201c. Eine Formulierung die \nalles erlaubt und der deutschen R\u00fcstungsindustrie weiter ihre Profite \ngarantiert.<\/p>\n\n\n\n<p> Dass die deutsche Regierung aktuell formal die \nInvasion der T\u00fcrkei kritisiert, hat mehr damit zu tun, dass sie es sich \ninnenpolitisch nicht leisten kann die Invasion der T\u00fcrkei gut zu hei\u00dfen,\n als dass sie wirklich etwas dagegen unternehmen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p> Letzte Hoffnung Assad und Putin?<\/p>\n\n\n\n<p>\n Was das neue milit\u00e4rische B\u00fcndnis der SDF mit dem syrischen Regime \nletztlich bedeuten wird, ist momentan noch unklar. Im Kampf gegen die \nzweitgr\u00f6\u00dfte Nato-Armee und Dschihadisten, die erkl\u00e4rterma\u00dfen einen \nGenozid an der Bev\u00f6kerung in Rojava planen, ist es jedenfalls eine \nschlichte Notwendigkeit milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung anzunehmen. \nPolitische Verb\u00fcndete haben die Selbstverwaltungstrukturen in Nord-Ost \nSyrien damit allerdings nicht gewonnen: Der syrische Staat, ist ein \nnat\u00fcrlicher Gegner des revolution\u00e4ren Prozesses in Rojava und Russland \nliefert nicht nur Waffen an die T\u00fcrkei, sondern erlaubte 2018 Erdogan \nauch in Afrin einzufallen und es zu besetzen.<\/p>\n\n\n\n<p> Kampf der KurdInnen? \u2013 Unser Kampf!<\/p>\n\n\n\n<p>\n Der Kampf, der aktuell in Rojava gef\u00fchrt wird ist der Kampf von \nRevolution gegen Konterrevolution. Auf der Seite der Reaktion stehen die\n T\u00fcrkei und hinter ihr mehr oder weniger offen alle imperialistischen \nStaaten. Auf der Seite Rojavas stehen wir, die Revolution\u00e4rInnen auf der\n ganzen Welt. Unsere Solidarit\u00e4t mit Rojava ist nicht rein moralisch \noder humanit\u00e4r bedingt. Wir sind nicht solidarisch, weil wir abstrakt \ngegen Kriege sind und die Menschen in Rojava uns Leid tun. Unsere \nSolidarit\u00e4t ist Teil des internationalen Klassenkampfes. Solidarit\u00e4t mit\n Rojava hei\u00dft hier in Deutschland Gegenmacht aufzubauen und uns und \nunsere Klasse zu st\u00e4rken. Konkret hei\u00dft das: Als in Deutschland lebende \nRevolution\u00e4rInnen, m\u00fcssen wir den internationalen Klassenkampf auf \nnationaler Ebene f\u00fchren und die BRD als imperialistischen Staat \nangreifen. Gleichzeitig bedeutet internationaler Klassenkampf, dass es \nin unserem objektiven Interesse liegt Rojava zu unterst\u00fctzen. Denn auch \nwenn wir den Klassenkampf zun\u00e4chst national f\u00fchren m\u00fcssen, so kann der \nKapitalismus letztendlich nur international geschlagen werden. Der Kampf\n in Rojava ist so auch ein Teil unseres Kampfes gegen den Kapitalismus.<\/p>\n\n\n\n<p>\n Eine Niederlage Rojavas h\u00e4tte enorme Folgen, nicht nur auf den \nKlassenkampf in Kurdistan oder der T\u00fcrkei, sondern auch f\u00fcr uns in \nDeutschland. Mit Rojava w\u00fcrde vor allem ein wichtiger Bezugspunkt \nwegfallen. Gro\u00dfe Teile der radikalen Linken in Deutschland haben in den \nletzten Jahren Rojava als Inspiration und teilweise auch als \nProjektionsfl\u00e4che gefunden. Mit der Besch\u00e4ftigung mit Rojava ist der \nInternationalismus in Deutschland wieder erstarkt. Eine Niederlage von \nRojava w\u00fcrde auch f\u00fcr diese Bewegung einen herben Schlag bedeuten.<\/p>\n\n\n\n<p> Dem Krieg kein ruhiges Hinterland!<\/p>\n\n\n\n<p>\n International ist die Solidarit\u00e4tsbewegung gegen den t\u00fcrkischen \nAngriffskrieg angerollt. T\u00e4glich finden Demonstrationen statt. Zurecht \ngeraten auch die hiesigen Profiteure und politischen Unterst\u00fctzer der \nInvasion in den Fokus. Hier muss die Solidarit\u00e4tsarbeit ankn\u00fcpfen: \nR\u00fcstungsfirmen die den t\u00fcrkischen und islamistischen Besatzern die \nWaffen liefern sind bekannt; Konzerne, Banken und Insitutionen die in \nBauprojekte der t\u00fcrkischen Regierung investieren oder dort Fabriken \nbetreiben ebenfalls. Es gilt den politischen und \u00f6konomischen Preis f\u00fcr \ndie Unterst\u00fctzung Erdogans in die H\u00f6he zu treiben!<\/p>\n\n\n\n<p> Verteidigen wir die Revolution in Rojava! Den deutschen Imperialismus angreifen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere bundesweite Struktur hat einen Aufruf zu Rojava geschrieben: DIE REVOLUTION IN ROJAVA VERTEIDIGEN! Am 9. Oktober hat Erdogan seine Drohungen wahr gemacht. 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