{"id":704,"date":"2020-11-25T11:19:48","date_gmt":"2020-11-25T10:19:48","guid":{"rendered":"http:\/\/roter-aufbau.de\/?p=704"},"modified":"2020-12-12T11:21:27","modified_gmt":"2020-12-12T10:21:27","slug":"prostitution-ist-gewalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/roter-aufbau.de\/?p=704","title":{"rendered":"Prostitution ist Gewalt"},"content":{"rendered":"<div class=\"o9v6fnle cxmmr5t8 oygrvhab hcukyx3x c1et5uql ii04i59q\"><\/div>\n<div class=\"o9v6fnle cxmmr5t8 oygrvhab hcukyx3x c1et5uql ii04i59q\">\n<div dir=\"auto\">Trotz \u00a7129\/a Verfahren finden wir es wichtig, als politische Struktur weiterzumachen und inhaltlich auch Positionen zu beziehen. Wir werden uns nicht komplett in Antirepressionsarbeit dr\u00e4ngen lassen. Wir nehmen den Tag gegen Gewalt an Frauen zum Anlass um uns zum Thema Prostitution zu positionieren und Partei f\u00fcr unsere Klasse zu ergreifen!<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"o9v6fnle cxmmr5t8 oygrvhab hcukyx3x c1et5uql ii04i59q\">\n<div dir=\"auto\">In der radikalen Linken haben sich unterschiedliche Positionen zum Thema Prostitution herausgebildet und wir denken es ist Zeit, dass wir diese Debatte als kommunistische Bewegung erneut aufgreifen und Position beziehen \u2013 nicht allein als Beitrag zum heutigen internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, vielmehr weil uns die linksliberalen, reaktion\u00e4ren Positionen so mancher Teile der linken Bewegung zu diesem Thema schon lange ein Dorn im Auge sind.<\/div>\n<div dir=\"auto\">Zuerst widmen wir uns abstrakt dem Punkt, was Prostitution ist und warum wir sie ablehnen. Auf dieser Grundlage muss eine \u00dcbersetzung ins Konkrete stattfinden. Wir beabsichtigen nicht, Prostituierte moralisch zu stigmatisieren, geschweige denn zu kriminalisieren. Uns ist es wichtig, auch in dieser Angelegenheit einen Klassenstandpunkt zu beziehen, weshalb man Prostitution grundlegend nicht losgel\u00f6st vom Kapitalismus betrachten kann, auch wenn das Thema an sich \u00e4lter ist, als das vorherrschende Wirtschaftssystem. Gern wird die Floskel vom \u201e\u00e4ltesten Gewerbe der Welt\u201c verwendet, wobei diese nicht zutreffend ist und wohl eher der Hebamme zustehen w\u00fcrde. Historiker*innen gehen aktuell davon aus, dass sie etwa vor 2500 Jahren im Zusammenhang mit der Sklaverei sowie als Folge menschlicher Kriegsbeute unterworfener V\u00f6lker entstanden ist.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"o9v6fnle cxmmr5t8 oygrvhab hcukyx3x c1et5uql ii04i59q\">\n<div dir=\"auto\">Wir betrachten die Prostitution vor allem als weiblich, denn M\u00e4nner und Transgenderpersonen nehmen anteilig blo\u00df eine kleine Rolle ein, die wir f\u00fcr diese Ausarbeitung hier vernachl\u00e4ssigen. Uns ist klar, dass es verschiedene Formen von Prostitution gibt. Die Lebenssituation von \u201eEdelhuren\u201c ist mit der Drogen- oder Elendsprostituierten nicht vergleichbar. Dennoch w\u00fcrden wir auch Gemeinsamkeiten sehen. Beiden ist zumindest gemein, dass sie Sex f\u00fcr Geld anbieten, obwohl sie den sexuellen Akt nicht ohne Geld \u00fcber sich ergehen lassen w\u00fcrden. Klar, kann man dem nun entgegnen, dass jede Person in der Lohnarbeit ihre T\u00e4tigkeit unfreiwillig aus\u00fcbt. Doch w\u00fcrden wir hier eine Grenze ziehen. Die Ware Arbeitskraft ist konstituierend f\u00fcr den Kapitalismus und kann in diesem System nicht abgeschafft werden. Zwar wird durch die Prostitution Sex auch warenf\u00f6rmig, aber ohne dass die allermeisten \u201eSexworker\u201c zu Lohnarbeiter*innen werden. Dieses Paradox l\u00e4sst sich damit erkl\u00e4ren, dass auch Formen von Sklaverei Waren schaffen k\u00f6nnen, ohne Lohnarbeit zu ben\u00f6tigen. Denn nicht alles auf dem Markt bedarf vorher der Produktion durch Lohnarbeit. Uns geht es hierbei nicht um die Unterscheidung von wertschaffender und nicht-wertschaffender Arbeit (h\u00e4ufig Dienstleistungen) und damit einer Geringsch\u00e4tzung von \u201eunproduktiver\u201c Arbeit. Wir w\u00fcrden viel mehr den Gro\u00dfteil der Prostituitionsformen als ein \u00dcberbleibsel der Sklaverei einordnen. Die Realit\u00e4t vieler Prostituierten \u00e4hnelt der von modernen Sklaven. Aktuell gibt es etwa 40-50 Millionen Menschen in dieser Lebenssituation, aus der es f\u00fcr die Betroffenen wegen Drohungen, Gewalt, Zwang, Machtmissbrauch oder Irref\u00fchrung kein Entfliehen gibt. Die allermeisten Prostituierten sind eben nicht doppelt frei wie die Lohnarbeiter*innen im marxistischen Sinn. Sie sind zwar frei vom Eigentum an Produktionsmitteln aber nicht frei, ihren Zuh\u00e4lter aussuchen zu k\u00f6nnen.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"o9v6fnle cxmmr5t8 oygrvhab hcukyx3x c1et5uql ii04i59q\">\n<div dir=\"auto\">Gewalt ist in der Prostitution allgegenw\u00e4rtig. Auch die Edelprostituierte hat h\u00e4ufig einen Zuh\u00e4lter. Viele k\u00f6nnen sich zwar einreden, dass sie ihrer T\u00e4tigkeit freiwillig nachgehen, aber die Wenigsten k\u00f6nnen ohne Probleme damit aufh\u00f6ren. Zwangsprostitution macht insgesamt den gr\u00f6\u00dften Teil aus. Vor allem wenn man bedenkt, dass 81 % der Prostituierten in Deutschland aus anderen L\u00e4ndern stammen und hier aufs \u00dcbelste ausgebeutet werden, erscheint die linke Diskussion \u00fcber \u201eSexwork\u201c ziemlich weltfremd. Nat\u00fcrlich gibt es auch Prostituierte, die der Sache freiwillig nachgehen und keinen Zuh\u00e4lter haben, sozusagen Solo-Selbstst\u00e4ndige. Diese Personen sind aber im Ganzen betrachtet Randerscheinungen, auch wenn sie in dem besagten Diskurs fast alleine f\u00fcr Prostituierte Wort ergreifen. Aber auch die freiwillige Prostitution bleibt Gewalt. In unserer Gesellschaft ist Sexualit\u00e4t eben nicht mit anderen T\u00e4tigkeiten zu vergleichen wie zum Beispiel jemandem in einer Kneipe das Bier zu reichen. Es ist etwas Intimes, etwas direkt mit dem K\u00f6rper Verbundenes.<\/div>\n<div dir=\"auto\">Diese Sph\u00e4re wird beim Sexklauf verletzt, zumeist mit beidseitigem Einverst\u00e4ndnis, konsensual. In der Prostitution ist dieser Konsens allerdings erkauft. Es wird f\u00fcr die Vergewaltigung eine Art Schweigegeld bezahlt, weil nur so die Prostituierte den sexuellen Akt \u00fcber sich ergehen l\u00e4sst.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"o9v6fnle cxmmr5t8 oygrvhab hcukyx3x c1et5uql ii04i59q\">\n<div dir=\"auto\">Wir sind aber auch generell dagegen, dass Sex zu einer Ware werden sollte. Wenn wir aktuell dar\u00fcber diskutieren, dass sogar Wohnen keine Ware sein sollte, die \u00fcber einen Markt gehandelt wird, dann muss dies erst recht f\u00fcr den weiblichen K\u00f6rper gelten. Wir sollten dem Markt so viel wie m\u00f6glich entziehen, denn entgegen dem neoliberalen Dogma, bringt der Kapitalismus keine Freiheit und der Markt regelt nicht im Interesse der Menschheit, sondern im Sinne der Profitlogik und der Konkurrenz. In der Warenwerdung von Sex und dem weiblichen K\u00f6rper ist kein Empowerment zu sehen, sondern genau das Gegenteil: Es handelt sich um Unterdr\u00fcckung, Gewalt und Patriarchat. Besonderes peinlich wird es, wenn Prostitution von b\u00fcrgerlichen Feminist*innen als etwas Antipatriarchales verkauft wird. Dies zeugt eher von Realit\u00e4tsverweigerung als davon, sich diesem Thema ernsthaft zu widmen. Prostitution st\u00e4rkt die Rolle der Frau nicht, sondern degradiert sie zu einer Ware, welche der m\u00e4nnlichen Sexualit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stehen muss. Somit zementiert diese linksliberale Sichtweise von Prostitution als \u201eSexarbeit\u201c Rollenbilder und damit auch das Patriarchat. Wir w\u00fcrden sogar weiter gehen und vertreten, dass Prostitution immer Gewalt darstellt. Dies spiegelt sich s\u00e4mtlichen Untersuchungen nach in Form psychischer Krankheiten wieder. Alle wissenschaftlichen Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass nahezu jede Frau in der Prostitution ein enormes psychisches Leid davon tr\u00e4gt. Einer Studie nach haben 60% der Frauen eine voll ausgepr\u00e4gte posttraumatische Belastungsst\u00f6rung. 67 % nehmen Schmerzmittel und 38 % Beruhigungsmittel. Sexualit\u00e4t erfordert ein Zusammenspiel von Geist und K\u00f6rper. Um fremden Menschen die Penetration des eigenen K\u00f6rpers zu erm\u00f6glichen, die man unter anderen Umst\u00e4nden ablehnen w\u00fcrde, ist ein Abschalten nat\u00fcrlicher Funktionen erforderlich, die sonst unweigerlich w\u00e4ren: Angst, Scham, Fremdheit, Ekel, Verachtung, Schmerzen. Dieses Abschalten ist ein Ph\u00e4nomen, das man Dissoziation nennt. Alkohol und Drogen helfen zus\u00e4tzlich, den Schmerz zu ertragen. Auch tragen Prostituierte k\u00f6rperliche Sch\u00e4den davon. Neben vaginalen und analen Verletzungen sind die Frauen h\u00e4ufig schon vorgealtert, was ein Symptom f\u00fcr langfristigen und erheblichen Stress darstellt. Die Frauen leiden unter permanenten Bauchschmerzen, Entz\u00fcndungen und st\u00e4ndigen Infektionen. Die Sterberate liegt 10 bis 40 Mal \u00fcber dem Durchschnitt. Laut einer Untersuchung sind etwa bei Prostituiertenmorden 62 % die Freier und 16 % die Zuh\u00e4lter die M\u00f6rder.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"o9v6fnle cxmmr5t8 oygrvhab hcukyx3x c1et5uql ii04i59q\">\n<div dir=\"auto\">Rund 40.400 Prostituierte waren laut Statistischem Bundesamt Ende 2019 bei den Beh\u00f6rden in Deutschland angemeldet von gesch\u00e4tzten 400.000. Davon hatten 7.700 (19%) die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft, 14.300 (35%) kamen aus Rum\u00e4nien, 4.300 (11 %) aus Bulgarien und 3.100 (8%) aus Ungarn. Von den angemeldeten Prostituierten waren laut Statistikamt 31.600 (78 Prozent) 21 bis 44 Jahre alt. 6.700 (17 Prozent) waren 45 Jahre oder \u00e4lter, 2.100 (5 %) waren zwischen 18 und 20 Jahren alt. Es ist davon auszugehen, dass die realen Zahlen noch extremer ausfallen, dass also mehr Migrantinnen und j\u00fcngere Frauen in der Prostitution t\u00e4tig sind. Das Bild von der starken Frau, die durch Prostitution Freiheit erlangt, finanziell unabh\u00e4ngig wird und es dem Patriarchat \u201emal so richtig zeigt\u201c, ger\u00e4t extrem ins Wanken, denn die Zahlen sprechen deutlich daf\u00fcr, dass Frauen aus anderen L\u00e4ndern hier in verschiedenen Formen, aber immer unter Zwang extrem ausgebeutet werden und daran h\u00e4ufig erhebliche Verletzungen erleiden. Sie werden von Bordell zu Bordell gereicht, weil die Freier sich Abwechslung w\u00fcnschen. Dadurch entsteht eine weitere Abh\u00e4ngigkeit, weil die Frauen entwurzelt werden und sich nicht wehren k\u00f6nnen. Auch wenn es die Prostituierten gibt, die sich mehr als Escort-Damen verstehen, sich auf dem Markt teuer verkaufen k\u00f6nnen und akzeptablere Lebensbedingungen haben, entspricht dies eher der Ausnahme. Dies wird man wohl eher bei der Gelegenheitsprostitution antreffen, bei Frauen, die es beispielsweise neben ihrem Studium machen, aber eben nicht finanziell davon abh\u00e4ngig sind und somit \u2013 verglichen mit der Zwangsprostituierten &#8211; gewisse Freiheiten genie\u00dfen. Einen Klassenstandpunkt einzunehmen hei\u00dft f\u00fcr uns auch, dass man sich nicht auf diese wenigen im Licht Stehenden konzentriert, sondern auf die absolute Mehrheit, die eben in geknechteten Zwangsverh\u00e4ltnissen ausgebeutet wird.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"o9v6fnle cxmmr5t8 oygrvhab hcukyx3x c1et5uql ii04i59q\">\n<div dir=\"auto\">Denjenigen, die uns an dieser Stelle den Vorwurf der Bevormundung machen, entgegnen wir, dass in der kapitalistischen Matrix keine komplett freien Entscheidungen getroffen werden k\u00f6nnen und das Individuum eben kein freies Subjekt, sondern eingebettet in Klassenverh\u00e4ltnisse ist. Gerade als Kommunist*innen ist es unsere Aufgabe, Partei f\u00fcr die unterdr\u00fcckten und ausgebeuteten Teile unserer Klasse zu ergreifen und die b\u00fcrgerliche Freiheitsideologie zu bek\u00e4mpfen. Denn ihre Freiheit hei\u00dft f\u00fcr uns Ausbeutung auf dem Markt. Es war ganz klar ein zivilisatorischer Fortschritt die Kinderarbeit, die Leihmutterschaft und den Organhandel zu verbieten, auch wenn man dadurch die Freiheit des Individuums einschr\u00e4nkte und es anfangs auch sicherlich Teilen unserer Klasse weitere finanzielle Sorgen bereitete. Es war richtig, weil man so die Menschen vor dem Markt sch\u00fctzte. Auch die Prostitution von den wenigen Frauen, die sich freiwillig dazu entscheiden und diese unter \u201eguten Bedingungen\u201c aus\u00fcben, ist deswegen abzulehnen, weil sie das Patriarchat st\u00fctzt. Indem gesellschaftlich das Bild vermittelt wird, dass der weibliche K\u00f6rper etwas K\u00e4ufliches sei, wird auch die Position des Mannes in diesem System zementiert. Hegemoniale M\u00e4nnlichkeit wird auch \u00fcber die Unterdr\u00fcckung der Frau und ihrer Verf\u00fcgbarmachung hergestellt. Es scheint etwas Normales zu sein, den weiblichen K\u00f6rper k\u00e4uflich zu benutzen. Die Prostituierte und der Freier treffen sich eben nicht auf Augenh\u00f6he. Der Freier geht davon aus, dass die Frau f\u00fcr die bezahlte Zeit ihm geh\u00f6re und so verh\u00e4lt er sich auch. Genau darin liegt auch ein weiterer Unterschied zur Lohnarbeit: Dort wird die Arbeitskraft und nicht der K\u00f6rper verkauft\/vermietet. Wenn er nicht dem Zuh\u00e4lter geh\u00f6rt, dann geh\u00f6rt der K\u00f6rper der Frau f\u00fcr eine gewisse Zeit dem Freier. Auch wenn es nicht unbedingt Eigentumsverh\u00e4ltnisse begr\u00fcndet, dann aber sicherlich ein Verh\u00e4ltnis des Besitzes. Die Konkurrenz unter den Prostituierten tut schlussendlich ihr \u00dcbriges, dass dieses Verh\u00e4ltnis auch so bestehen bleibt.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"o9v6fnle cxmmr5t8 oygrvhab hcukyx3x c1et5uql ii04i59q\">\n<div dir=\"auto\">Wir begreifen den Kampf gegen die Prostitution als Teil des Klassenkampfes, weil dabei die T\u00f6chter unserer Klasse dem Patriarchat geopfert werden und die allermeisten unter ihnen, extremes psychisches und physisches Leid erfahren. Genau dies ist auch der Grund, warum vor allem Frauen aus verarmten Teilen unserer Klasse dem nachgehen. Es ist eben kein normaler Job und schon gar nicht f\u00fchrt es zu Selbsterm\u00e4chtigung. Uns geht es nicht um eine b\u00fcrgerliche Sexmoral, welche an sich nur die weibliche Sexualit\u00e4t tabuisieren will. Wenn Frauen wechselnde Geschlechtspartner haben wollen, dann ist dies ihre Entscheidung und man sollte ihr dies z.B. durch Ausbau von Swingerclubs auch gern besser erm\u00f6glichen. Uns geht es eben nicht um den Akt, sondern um die Gefahren und Folgen der Prostitution, welche f\u00fcr die Prostituierte und auch f\u00fcr die Gesellschaft ganz klar bestehen.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"o9v6fnle cxmmr5t8 oygrvhab hcukyx3x c1et5uql ii04i59q\">\n<div dir=\"auto\">Deutschland hat sich durch die \u00c4nderungen der Gesetze 2002 und 2016 zu einem Dreh- und Angelpunkt f\u00fcr die Prostitution entwickelt. Laut dem Statistischen Bundesamt wurden bis zum Jahresende 2019 etwa 2.170 Prostitutionsgewerbe aufgrund einer erteilten oder vorl\u00e4ufigen Erlaubnis nach dem ProstSchG betrieben. Bei 2.020 (93 %) der gemeldeten Prostitutionsgewerbe handelte es sich um Prostitutionsst\u00e4tten (zum Beispiel Bordelle). Auf Prostitutionsvermittlungen, -fahrzeuge und -veranstaltungen entfielen zusammen 140 (7 %) der Erlaubnisse. Laut Interpol verdient ein Zuh\u00e4lter an einer Prostituierten 100-150.000 \u20ac im Jahr. Wenn wir von ca. 400.000 Prostituierten alleine in Deutschland ausgehen, dann zeigt es das Ausma\u00df dieser gewaltt\u00e4tigen Sexindustrie. Durch die Legalisierung in Deutschland hat diese Industrie eine gewisse Legitimit\u00e4t erfahren, die historisch seinesgleichen sucht. Dennoch ist der gr\u00f6\u00dfte Teil der Prostitution ein Schattengewerbe, weil die Freier und auch die Zuh\u00e4lter kein Interesse an einer \u00d6ffentlichkeit haben, welche die komplette Legalisierung mit sich bringen w\u00fcrde. Ein Regulieren erweist sich \u00e4u\u00dferst schwierig, so wird die Prostitution auch durch ein Verbot wie im Nordischen Modell nicht verschwinden, wo die Freier durch ein Sexkaufverbot verfolgt werden. Zu begr\u00fc\u00dfen ist an diesem Modell, dass nicht die Prostituierten kriminalisiert werden, denn dies w\u00fcrde nur zu weiterem Elend f\u00fchren. Im Gegenteil steht das Nordische Modell f\u00fcr die komplette Legalisierung der Prostituierten. Durch dieses Modell wird der Gro\u00dfteil der Gesellschaft f\u00fcr die Probleme der Prostitution sensibilisiert und es werden gesellschaftliche Normen auch durch solche Gesetze formuliert. F\u00fcr uns ist aber dieser Staat kein Partner f\u00fcr gesellschaftliche Emanzipation. Viel mehr reproduziert er tagt\u00e4glich die gesellschaftliche Unterdr\u00fcckung der Frau. Wir betrachten Prostitution auch als ein Produkt der b\u00fcrgerlichen Monogamie, welche eben nur f\u00fcr die Ehefrau herrscht. Sie ist die andere schmutzige Seite der Medaille zur b\u00fcrgerlichen Ehe. Dem Mann gesteht man zu, dass er nicht immer seine Triebe kontrollieren kann, deshalb wird ihm ein Ventil gestattet. Dies verlogene System kann man jetzt schon entlarven und aufzeigen, dass alternative Lebens- und Liebesbeziehungen m\u00f6glich sind. Unser Feminismus ist eben kein reformistisches Anpassen an dieses System. Weil wir uns als Revolution\u00e4r*innen begreifen, schlie\u00dft dies mit ein, dass f\u00fcr uns die Probleme wie Prostitution nur gesellschaftlich durch den Sozialismus \u00fcberwunden werden k\u00f6nnen. Wir bitten kein zum Zwecke der Unterdr\u00fcckung geschaffenes System darum, uns weniger zu unterdr\u00fccken. Das revolution\u00e4re Subjekt ist unsere Klasse, sie zu erreichen muss unser Ziel sein und mit ihr ist wirkliche Ver\u00e4nderung erst m\u00f6glich.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"o9v6fnle cxmmr5t8 oygrvhab hcukyx3x c1et5uql ii04i59q\">\n<div dir=\"auto\">Der Kampf gegen die Prostitution muss aber auch im Hier und Jetzt schon gef\u00fchrt werden, weil unsere Klasse direkt davon betroffen ist. Dabei ist die Sto\u00dfrichtung sich gegen die Prostitution zu richten und eben nicht gegen die Prostituierten. Wir brauchen vor allem Aufkl\u00e4rung \u00fcber die Prostitution und ihre Gefahren, weil M\u00e4dchen sich u.a. leicht durch die Loverboy-Masche in diesen Abgrund hineinziehen lassen und dort jahrelang, oftmals auch lebenslang nicht mehr herauskommen. Vor dem Hintergrund von Rapper*innen wie Schwester Ewa und ihren zumeist m\u00e4nnlichen Kolleg*innen ist das Bild viel zu positiv besetzt und erleichtert es, junge Frauen in Deutschland zu verarschen. Die Prostituierten ohne deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft m\u00fcsste man mit einer Aufenthaltsgenehmigung sowie einer Arbeitserlaubnis aus diesem Milieu holen, ihnen Weiterbildungsma\u00dfnahmen erm\u00f6glichen und diese auch finanziell absichern. Es kann nicht sein, dass hunderttausende Frauen nach Deutschland gelotst, von deutschen Freiern vergewaltigt und dann mit ihrem Leid alleine gelassen werden. Dieser Verantwortung muss sich die Gesellschaft stellen und jegliche Hilfsprogramme finanzieren, um somit die Gesamtsituation ernsthaft und langfristig zu verbessern. Der Kampf muss sich in erster Linie gegen die Profiteure richten, der Staat ist dabei als einer der gr\u00f6\u00dften Zuh\u00e4lter zu betrachten und der Widerstand muss vielf\u00e4ltig sein, von Kampagnen bis direkte Aktionen!<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"o9v6fnle cxmmr5t8 oygrvhab hcukyx3x c1et5uql ii04i59q\">\n<div dir=\"auto\">Gerade machen gegen Gewalt an Frauen!<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"o9v6fnle cxmmr5t8 oygrvhab hcukyx3x c1et5uql ii04i59q\">\n<div dir=\"auto\">\u201eDie moderne Prostitution ist eine Erscheinung, welche aufs Innigste mit den wirtschaftlichen Zust\u00e4nden der kapitalistischen Ordnung verwachsen ist, ihnen ihren Riesenumfang verdankt und nur mit der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft zusammen verschwinden kann.\u201c<\/div>\n<div dir=\"auto\">Clara Zetkin<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotz \u00a7129\/a Verfahren finden wir es wichtig, als politische Struktur weiterzumachen und inhaltlich auch Positionen zu beziehen. 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