{"id":758,"date":"2021-09-01T11:07:20","date_gmt":"2021-09-01T09:07:20","guid":{"rendered":"https:\/\/roter-aufbau.de\/?p=758"},"modified":"2021-09-01T11:07:20","modified_gmt":"2021-09-01T09:07:20","slug":"der-hauptfeind-steht-im-eigenen-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/roter-aufbau.de\/?p=758","title":{"rendered":"Der Hauptfeind steht im eigenen Land"},"content":{"rendered":"<div class=\"page\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Die Situation am Flughafen Kabul bewegt zur Zeit die Gemu\u0308ter. Das Leid der Menschen dort ist gro\u00df und der Impuls helfen zu wollen nachvollziehbar. Es sind nicht nur die ehemaligen Helfer der Besatzer die dort auf eine Ausreise hoffen. Als in Kabul Geru\u0308chte die Runde machten, es gebe die Mo\u0308glichkeit ohne Visau\u0308berpru\u0308fung das Land zu verlassen, machten sich viele Menschen auf den Weg dorthin. Die Taliban sind fu\u0308r viele fortschrittliche Kra\u0308fte in Afghanistan zweifellos eine massive Bedrohung. Auch so ist der Impuls nach Jahrzehnten der Besatzung und des Krieges woanders eine bessere Zukunft zu suchen nachvollziehbar.<\/p>\n<p>Wer die richtigen politischen Schlu\u0308sse ziehen will, darf das aktuelle Geschehen aber nicht isoliert betrachten.<\/p>\n<p>2001 marschierte die NATO in Afghanistan ein. Dort herrschten seit 1996 die aus Teilen der Mudschahedin hervorgegangen Taliban. Die Mudschahedin waren zuvor in 1980er Jahren ma\u00dfgeblich von den USA und Saudi-Arabien ausgebildet und bewaffnet worden, um gegen die in Afghanistan einmarschierten sowjetischen Truppen zu ka\u0308mpfen. Diese waren der sa\u0308kularen afghanischen Regierung zur Hilfe gekommen. Mit dieser Unterstu\u0308tzung aus dem Westen entstanden hochgeru\u0308stete islamistische Milizen. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen brachen zwischen den verschiedenen Milizenfu\u0308hrern der Mudschahedin Ka\u0308mpfe aus. Die Taliban konnten sich hier schlussendlich durchsetzen.<\/p>\n<p>Die Anschla\u0308ge vom 11. September waren fu\u0308r die NATO ein willkommener Anlass in der Region nun milita\u0308risch direkt ta\u0308tig zu werden. Bezeichnenderweise forderten damals schon prominente Stimmen in den USA, man solle direkt im erdo\u0308lreichen Irak einmarschieren. Schlussendlich entschied man sich der Glaubwu\u0308rdigkeit wegen doch dafu\u0308r zuna\u0308chst Afghanistan zu besetzen. Bemerkenswerter Weise waren auf Seiten der Taliban nicht Wenige gewillt einen Einmarsch noch abzuwenden und Osama Bin Laden samt Entourage auszuliefern. Auch sie konnten sich jedoch mit diesem Vorhaben nicht durchsetzen. Bei genauerer Betrachtung ist selbst der Vorwand des 11. September wenig geeignet gewesen den Einmarsch zu legitimieren. Die Anschla\u0308ge wurden wohl zu weitaus gro\u0308\u00dferen Teilen in Hamburg-Harburg geplant, als am Hindukusch. In Harburg wird Deutschlands Sicherheit weiterhin vom PK 46 und nicht der Bundeswehr verteidigt.<\/p>\n<p>Hierzulande genu\u0308gte der rot-gru\u0308nen Bundesregierung die Terroristenjagd alleine nicht, um das imperialistische Abenteuer der breiten Bevo\u0308lkerung schmackhaft zu machen. Um den gro\u0308\u00dften Kriegseinsatz der BRD zu rechtfertigen, brauchte es schon mehr. Man erkla\u0308rte daher den Aufbau einer Demokratie und die Sta\u0308rkung von Frauenrechten zum eigentlichen Ziel. In Afghanistan selbst herrschte schon 2001 unter den verschiedenen Volksgruppen dabei eine Einigkeit, die der Westen ansonsten vermisste. Diese Einigkeit bezog sich dabei zum Unglu\u0308ck der NATO jedoch auf die Ablehnung einer Besatzung. Das ist nur versta\u0308ndlich, lie\u00df doch der Anblick amerikanischer Kampfflugzeuge und deutscher Panzer fern ihrer Heimat noch nie Gutes verhei\u00dfen. Je sta\u0308rker der Widerstand wurde, desto rigoroser reagierten die Besatzer. Von nun an wurde jeder Ba\u0308rtige in Afghanistan mit einer Waffe als Aufsta\u0308ndischer und damit als Ziel identifiziert. In vielen Regionen Afghanistans bedeutete dies nichts Anderes als einen bedingungslosen Krieg gegen die Bevo\u0308lkerung. Um die eigenen Verluste gering zu halten setzen die Besatzer hier auf Feuerkraft aus der Ferne, insbesondere auf Drohnen. Tausende Menschen fielen dem zum Opfer, sei es bei der Feldarbeit oder einer Hochzeitsgesellschaft.<\/p>\n<p>Eine Unterscheidung zwischen guten Besatzern in Gestalt der Bundeswehr und den schlechten Besatzern der US-Armee geht hier selbstversta\u0308ndlich fehl. So erfolgte der Bombenangriff im September 2009 bei dem fast einhundert Zivilisten, unter ihnen auch Kinder, ermordet wurden, ausdru\u0308cklich auf Gehei\u00df des deutschen Oberst Klein. Dieser wurde spa\u0308ter folgerichtig in den Rang<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 2\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>eines Brigadegenerals befo\u0308rdert. Sich fu\u0308r Deutschlands geostrategische Interessen die Ha\u0308nde schmutzig zu machen ist schlie\u00dflich Kernaufgabe der Bundeswehr. Es gibt also keinen Grund davon auszugehen, dass Nazibanden wie das KSK sich neben der Planung faschistischer Umstu\u0308rze noch leidenschaftlich fu\u0308r die Belange der Menschen Afghanistans engagierten.<\/p>\n<p>Lie\u00dfen sich die Kriegsverbrechen gelegentlich nicht leugnen, zahlten die Besatzer reumu\u0308tig eine Entscha\u0308digung. Dennoch war die deutsche O\u0308ffentlichkeit stets u\u0308ber die mangelnde Bewunderung der afghanischen Bevo\u0308lkerung erstaunt. Die 131 Dollar Blutgeld und eine Ma\u0308dchenschule 300 Kilometer entfernt waren nicht geeignet, die Wut u\u0308ber ein geto\u0308tetes Kind in Begeisterung fu\u0308r das selbstlose nation building der Deutschen zu wandeln.<\/p>\n<p>Die lokalen Bu\u0308ndnispartner benahmen sich oft keinesfalls besser. Unter ihnen waren insbesondere jetzt zu Demokraten erkla\u0308rte Warlords, die in den 1990er Jahren noch Kabul in Schutt und Asche gelegt hatten. Dementsprechend waren auch sie wenig geeignet die Menschen Afghanistans fu\u0308r eine zentrale Marionettenregierung in Kabul zu begeistern, geschweige denn fu\u0308r sie zu ka\u0308mpfen.<\/p>\n<p>Die Mehrheit der Menschen Afghanistans wollte seit jeher einen Abzug der Besatzer. Das gilt ausdru\u0308cklich auch fu\u0308r diejenigen, die selbst zu den Feinden der Taliban za\u0308hlen und deren Siegeszug kommen sahen. Wer jetzt erschu\u0308ttert ist, wie der Westen seine wenigen lokalen Unterstu\u0308tzer behandelt, sollte sich fragen, wie erst mit denjenigen umgesprungen wurde, die sich erdreisteten die milita\u0308rische Besatzung ihrer Heimat abzulehnen.<\/p>\n<p>Gut mo\u0308glich, dass die Taliban schon bald wieder in den Rang eines Verbu\u0308ndeten erhoben werden. Wahlweise als schlagkra\u0308ftige Truppe gegen den Islamischen Staat, der sich statt auf ein Emirat zu beschra\u0308nken gleich ein Kalifat errichten mo\u0308chte. Weiter ko\u0308nnen die Taliban auch als Bodentruppen gegen den Iran dienen.<\/p>\n<p>Das Verbrechen der Besatzer besteht nicht in ihrem u\u0308berhasteten Ru\u0308ckzug, sondern in ihrem Einmarsch. Unsere Aufgabe liegt zuvorderst nicht darin, den deutschen Staat beim Zusammenkehren der Scherben seiner mo\u0308rderischen Abenteuer zu unterstu\u0308tzen. Internationale Solidarita\u0308t bedeutet zu verhindern, das deutsche Soldaten und deutsche Waffen in aller Welt morden.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Situation am Flughafen Kabul bewegt zur Zeit die Gemu\u0308ter. Das Leid der Menschen dort ist gro\u00df und der Impuls helfen zu wollen nachvollziehbar. 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