+++ Fridays for Future +++ 12 Uhr +++ Rödingsmarkt +++


Seit Monaten gehen nun schon vorwiegend junge Menschen weltweit zu zigtausenden auf die Straße, um gegen Raubbau an der Natur zu demonstrieren. Geeint durch das Bewusstsein, dass irgendetwas am Umgang von Regierungen, Unternehmen und Individuen mit Klima und Natur nicht stimmt, kommen Jugendliche und Erwachsene der verschiedensten politischen Strömungen zusammen. Viele von ihnen sind erst durch die Proteste politisiert worden, dementsprechend breit gefächert sind die Forderungen. Teile der Bewegung verlangen allem voran die Anpassung individueller Konsumentscheidungen, während andere versuchen die Thematik in einen größeren Kontext einzubetten und zunehmend weitreichende Forderungen zu formulieren. Meist bewegen sich diese Überlegungen im Rahmen der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse, die Suche nach einem ökologischeren Kapitalismus dominiert die Debatte. Doch die Stimmen, die nach grundsätzlichen Alternativen fragen, werden lauter: Stimmen, die hinterfragen wie „grün“ der Kapitalismus überhaupt sein kann.

Widersprüchlichkeiten eines „ökologischen Kapitalismus“

Natürlich könnte der Kapitalismus ökologischer agieren als er dies heute tut. Zweifelsohne gibt es die Möglichkeit umweltfreundlicher zu wirtschaften, Unternehmen hier und da auf die Finger zu klopfen und zeitgleich mit neuen Technologien neue Märkte zu schaffen, auf denen wiederum profitorientiert gewirtschaftet werden kann. Und genau da beißt sich die Katze in den Schwanz: Der Kapitalismus braucht Profit. Er braucht unbegrenztes Wachstum, Ausdehnung, Expansion, wie auch immer man es nennen mag. Kurzum: Er braucht Unmengen an Ressourcen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Neue Produktionsmechanismen, so ökologisch sie auch sein mögen, ändern daran wenig. Effizientere Produktion bedeutet meist effizienteren Raubbau an der Natur. Nochmal, wir bestreiten nicht: Es gibt auch im Rahmen des Kapitalismus die Möglichkeit schonender mit der Natur umzugehen als heute. Ja. Reformen in dieser Hinsicht zu erkämpfen ist begrüßenswert. Trotzdem ist ein grüner Kapitalismus ein Luftschloss, ein Fantasiegebilde was aus seiner eigenen Logik heraus unmöglich ist. Der Kapitalismus braucht Produktion weit über dem was der Mensch verbraucht, er ist nicht bedürfnis-, sondern profitorientiert. Je geringer die Löhne und je schlechter der Umweltschutz, desto größer sind die Gewinne. Die Profitlogik ist seine Grundlage, an der keine leere Forderung poli- tischer Funktionsträger nach Umweltschutz etwas ändert. Kein Kapita- lismus ohne ökologische Krise!

Alternativen suchen

Natürlich sind diese Schilderungen stark heruntergebrochen und vereinfacht, was sie aber nicht weniger richtig macht. Sie zeigen eines: Es muss nach grundlegenden Alternativen gesucht werden, die tiefer liegen müssen, als eine Reformierung dieses Systems. Sie müssen in einem System liegen, das, aus seiner eigenen Logik heraus, überhaupt die Möglichkeit hat wirklich Rücksicht auf die Natur zu nehmen. Dessen Produktion an den Bedürfnissen von Mensch und Natur im Allgemeinen orientiert ist und nicht am rücksichtslosen Profitstreben eines kleinen Bevölkerungsteils. Unsere Perspektive liegt in der klassenlosen solidarischen Gesellschaft! Wir sind keine Träumer. Uns ist klar, dass eine Revolution nicht mit einem Schlag all unsere Probleme und die Klimakrise beseitigen würde. Zum einen, weil aus heutiger Sicht nicht abzusehen ist, wie weit sich die fortschreitende Zerstörung unserer Umwelt überhaupt noch eindämmen oder aufhalten lässt. Zum anderen, weil eine Revolution und veränderte Produktionsverhältnisse lediglich die Voraussetzungen schaffen, unter denen eine umweltfreundlichere Produktionsweise erwachsen kann. Sie tut dies nicht automatisch. Die umweltzerstörerische Konsumgesellschaft der heutigen Zeit darf in einer neuen Gesellschaft keine Fortsetzung finden. Machen wir uns das nicht deutlich, würde sich für unsere Umwelt mit einer Revolution wenig ändern.

Was können wir tun?

Was lässt sich tun? Im Rahmen der Proteste ist die Rede oft davon, dass jeder Einzelne von uns bewusstere Konsumentscheidungen treffen sollte. Es macht Sinn sich zu überlegen, ob der Weg zum Bäcker 3x täglich im Geländewagen bestritten werden muss. Doch wenn wir grundsätzlich etwas ändern wollen, müssen wir maßgeblich tiefer ansetzen und an den Grundfesten dieses Systems rütteln. Eines Systems, das auf der Ausbeutung von Mensch und Natur aufbaut. Wir müssen uns vernetzen, organisieren und den Protesten eine antikapitalistische Perspektive bieten. Wir müssen aufklären, miteinander reden und gemeinsam auf die Straße gehen. Wir müssen ein solidarisches Verhältnis mit den verschiedenen Beteiligten der Proteste entwickeln, mit ihnen über unsere Perspektive diskutieren und sie ihnen – ohne erhobenen Zeigefinger – versuchen zu vermitteln. Auch hier gilt: Wir haben nur uns und unsere Solidarität, nutzen wir sie! Wir sind keine Bittsteller an den Staat, wir wollen wirkliche Verände- rung. Die Dimension der sich verschärfenden Klimakrise und ihrer sozialen Folgen ist global. Auch die Lösung muss es sein. Der Blick über den Tellerrand und internationale Vernetzung sowie die Verknüpfung von Protestbewegungen sind wichtige Schlüssel hierzu.

ALSO: FREITAG RAUS AUF DIE STRASSE! FÜR DIE SOZIALE UND ÖKOLOGISCHE REVOLUTION!

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